DNG – Ja oder Nein?

von Marcus Wahrenburg

Wer mit Adobe Produkten arbeitet, kommt zwangsläufig mit dem Dateiformat DNG in Kontakt. Nur was steckt da genau hinter und bringt es mir Vor- und Nachteile? Dazu teile ich gerne meine bisherigen Erfahrungen.

1. DNG – Was ist das eigentlich?

Das DNG-Dateiformat, soll wie die PDF Datei für Dokumente, als Standard für die RAW-Bilddateien sein. So zumindest die Vorstellung und das Ziel von Adobe. Es handelt sich um ein Format der wie ein Container die RAW Informationen aller Hersteller auf einen gemeinsamen Nenner in ein universelles Format speichert. Dabei ist es egal, von welchem Kamerahersteller die RAW Datei kommt, sie kann ins DNG überführt werden.

2. Was für Vorteile verspricht das DNG Format?

Das Format bringt einige Vorteile mit sich. Den ersten habe ich gerade schon erwähnt. Der Standard. Wenn man sich auf ein Dateiformat verständigen würde, wäre die implementierung in den verschiedenen Softwareprodukten deutlich einfacher und schneller. Features und Funktionen können gleichermaßen genutzt werden und wäre nicht mehr vom Format abhängig. Doch man ist noch weit entfernt, DNG als Standard zu bezeichnen. Es gibt zwar schon Kamerahersteller die direkt in DNG speichern. Doch die großen Hersteller wie Sony, Canon und Nikon verwenden verwenden ausschließlich ihr eigenes Format. Das hat auch Gründe, die wir uns im nächsten Abschnitt anschauen.

2.1 Speichergröße

Es gibt aber auch reele Vorteile. Der wohl am häufigsten genannte ist die Speichergröße. DNG Dateien sind im Schnitt 1/3 kleiner als die originalen RAW Dateien. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, eine Kompression zu verwenden. Ähnlich wie bei JPGs, leidet aber die Qualität darunter. Allerdings sind diese komprimierten DNG Dateien nochmal um ein vielfaches kleiner.

Was bedeutet das für die Bildbearbeitung? Natürlich wird die Bildbearbeitung durch die fehlenden Informationen erschwert. Letzlich kommt es auf das Motiv und die Lichtverhältnisse an und in welchem Dynamikumfang man die Bildbearbeitung vornehmen möchte. Sicherlich ist ein einfacher Weißabgleich mit allen Varianten gleich gut. Egal ob original RAW oder komprimierter DNG. Möchte man aber die Tiefen und Lichter anpassen, sind mehr Bildinformationen natürlich nützlicher.

2.2 Keine XML Dateien

Die Entwicklungseinstellungen und Bewertungen werden direkt in der DNG Datei gespeichert. Es wird keine XML Datei pro RAW Datei benötigt. Das macht die Auflistung und Sicherung einfacher und übersichtlicher. Allerdings funktioniert das nur mit Adobe Programmen. Fremdsoftware kann diese Informationen nicht auslesen und würden trotzdem mit XML Dateien arbeiten.

2.3 Mehr Kompatibilität

Auch wenn DNG noch weit von einem Standard entfernt ist, ist es kompatibler mit den meisten Bildbearbeitungssoftware, als die generischen RAWs der einzelnen Kamerahersteller. Natürlich reden wir von Software, die nicht von einem Kamerahersteller stammt.

2.4 Performance

Die Verwendung von DNG Dateien soll die Verarbeitung innerhalb von z.B. Lightroom deutlich beschleunigen. Zum einen auf Grund der besseren Kompatibilität und geringeren Speichergröße. Zum anderen speichert das DNG Format Informationen, die zur Beschleunigung der Bilddateien innerhalb der Software beitragen.

3. Wo ist der Haken bei DNG?

Wie das Sprichwort sagt: „Wo Licht ist, ist auch Schatten.“ Bei dem Thema ist es nicht anders. Natürlich gibt es auch Nachteile die genannt werden müssen.

3.1 Bildqualität

Der Vorteil der Speicherplatzreduzierung bringt einen Nachteil bei der Qualität mit sich. Ich sagte ja bereits, dass es von verschiedenen Faktoren abhängig ist, ob der Unterschied überhaupt wahrgenommen werden kann. Doch eins ist gewiss. Es gibt einen Unterschied. Eine generische RAW Datei hat mehr Kamerarelevante Informationen gespeichert, die mit der richtigen Software mehr Dynamik aus einem Bild heraus holen kann, als eine konvertierte DNG Datei. Wer also keinerlei Abstriche (so klein sie auch sein mögen) in Kauf nehmen möchte, sollte auf DNG Dateien verzichten.

3.2 Nicht zukunftssicher?!

Ein auch gerne genannter Nachteil, denn ich allerdings persönlich nicht teile, ist die fehlende zukunftssicherheit des Formats. Es liegt alleine in den Händen von Adobe, was mit dem Format passiert. Sollte es die Firma nicht mehr geben, wird es auch das Format vielleicht nicht mehr geben.

Da das meiner Meinung nach auch mit den Kameraherstellern passieren kann, ist dieser Nachteil doch sehr gering einzustufen.

4. Was setzte ich eigentlich ein?

Bisher habe ich nur Fakten genannt. Doch was sagt die Praxis und was nutze ich?

Meiner Meinung nach überwiegen absolut die Vorteile. Theoretisch wie auch praktisch. Die Bildqualitätsverluste konnte ich bisher nicht feststellen. Obwohl es ist bei mir nicht seltenist , dass ich bis zu zwei Blenden korrigieren muss, da in der Peoplefotografie HDR nicht wirklich möglich ist. Außerdem bilde ich mir ein, dass Lightroom deutlich stabiler mit DNGs läuft. Das kann aber auch absolut subjektiv sein.

Bevor ich allerdings vor ein paar Jahren komplett auf DNG umgestiegen bin, habe ich erstmal eine Testphase von einem guten Jahr gehabt. In der Zeit habe ich alle Bilder im generischen RAW und DNG abgespeichert. Unterschiede bei den Ergebnissen konnte ich keine finden. Dann erst habe ich mein komplettes Bildarchiv nachträglich in DNG konvertiert. Das machte sich schon sehr im Speicherverbrauch bemerkbar.

5. Fazit

Technisch spricht sicherlich mehr für das DNG Format, als die originalen RAWs. Da man aber mit beiden Formaten zum Ziel kommt, ist es vielleicht mehr eine Glaubensfrage. Wem vertraut man mehr. Mit was fühlt man sicher besser oder sicherer. Hier muss sich jeder selber eine Meinung machen.

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