Die Sache mit dem Schwarzlicht

von Marcus Wahrenburg

Jeder kennt es aus dem Club oder Partykeller. Das Schwarzlicht. Ob für Partybeleuchtung oder als forensisches Mittel, es hat viele Einsatzzwecke. Warum also nicht auch in der Fotografie. Schließlich ist das Hauptelement dort ja Licht. Auch wenn es „schwarz“ ist.

Was ist eigentlich Schwarzlicht

Schwarzlicht bezeichnet man das Licht, welches von speziellen Leuchtmitteln erzeugt wird, welches nahe dem Ultravioletten Bereich liegt. Die Lampen filtern soviel sichtbares Licht, dass man kaum eine Aufhellung des Raumes bewirkt. Allerdings reagieren bestimmte Oberflächen sehr stark auf dieses Licht und erscheinen sehr hell. Es fluoresziert. So erscheinen weiße Flächen oder fluoreszierende Farbe leuchtend. Das liegt aber auch an den Kontrast zu dem dunklen Raum.

Die Idee

Diese fluoreszierende Wirkung kann man sich in der Fotografie zu nutze machen. Denn der violette Bereich des Lichts, ist deutlich dunkler als die leuchtenden Oberflächen. Somit ist es möglich, ein sehr dunkles bis schwarzes Bild zu erzeugen, auf dem nur fluoreszierenden Flächen zu sehen sind. Mit entsprechender Farbe kann mal also z.B. den Körper mit allem erdenklichen bemalen. So sieht auch die Idee aus.

Leider klingt es in der Theorie einfacher, als man denkt. Man muss die richtige Leuchtquelle, Farbe und Maltechnik finden, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Ich habe für diesen Lernprozess zwei Jahre gebraucht. Was aber einfach daran lag, dass beide bisherigen Schwarzlichtshootings zwei Jahre auseinander liegen.

Auf die Lichtquelle kommt es an

Für das erste Shooting habe ich zwei einfache Schwarzlichtröhren benutzt. Allerdings stellte sich heraus, dass es gar keine Neonröhren waren, sonder einfache LEDs, die eine Röhre beleuchteten. Im Laden erschienen sie mir schon sehr dunkel, weshalb ich dann auch gleich zwei gekauft habe. Das stellte sich auch als gute Idee heraus. Denn die Lichtausbeute vom Schwarzlicht ist nicht sehr groß.

(Bild von der Röhre)

Also beschloss ich beim zweiten Shooting eine andere Lichtquelle zu nutzen. Ein LED-Strahler mit 30 Watt Leistung. Als ich ihn getestet hatte, dachte ich erst, das er viel zu hell sei. Das ich evtl. über die Wände reflektieren müsse, um die Leistung zu vermindern. Doch das war nicht so. Die Neonfarben leuchteten extrem. Es war in der Nachbearbeitung der Bilder sogar noch nötig, die dunklen Bildbereiche weiter abzudunkeln.

(Bild vom Strahler)

Beim Strahler stellte sich aber ein neues Problem heraus. Während die Leuchtröhren sehr diffus leuchteten, war der Strahler sehr gerichtet. Somit musste er deutlich höher gehangen werden, damit auch die Motive auf der Schulter getroffen wurden.

(Vergleichsbild zwischen Röhre und Strahler)

Farbe die bei Schwarzlicht leuchtet

Im Schwarzlicht leuchtende Farbe gibt es überall im Internet zu kaufen. Schaut man sich allerdings alle Verpackungen an, scheint es wohl nur ein großen Hersteller zu geben, der unter verschiedenen Labels verkauft.

(Bild von einer Dose mit Farbe)

Die Farbe aus dem ersten Shooting hat mir gut gefallen. Die Leuchtkraft war sehr gut, sehr hautverträglich und ließ sich gut aus Textilien und von der Haut waschen. Was gerade beim zweiten Shooting auffiel, war die Trocknungszeit. Selbst nach einer Stunde nach dem Auftrag, war die Farbe noch nicht komplett abgetrocknet, sodass sie bei Berührung leicht verwischte. Also Vorsicht, wohin man fasst.

Motivwahl

Das Motiv beim ersten Shooting war schnell gefunden. Da die Bilder durch das violette Licht sowieso leicht bläulich erscheinen, haben wir uns diesen Look zu Nutze gemacht. Wir wählten Eiskristalle bzw. Schneeflocken. Da ich nicht sehr geschickt mit dem Pinsel war, übernahm das malen meine Frau.

(Bild aus dem ersten Shooting)

Für das zweite Shooting sollte es aber etwas Detailreicher sein. Zur Wahl standen Blumenranken mit Blüten oder Mandalas. Letztlich entschieden wir uns für letzteres, da die Motivwahl auch von der Wahl der aufzutragenden Technik abhängig war. Dazu gleich mehr.

(Bild aus dem zweiten Shooting)

Wie bringe ich die Farbe auf die Haut

Die erste Wahl war der Pinsel. Einfaches aufmalen, als würde man ein Gemälde malen. Allerdings hat diese Technik ihre Probleme. Zum Einen ist ein gleichmäßiger Auftrag der Farbe nicht möglich. Man sieht die einzelnen Pinselstriche und lässt das Ergebnis „wie gemalt“ aussehen. Dies kann natürlich als Stilmittel genutzt werden, doch beim ersten Shooting hatten wir dies nicht beabsichtigt. Zum Anderen muss man ein gewisses Talent zum malen mit bringen. Wie ich bereits sagte, hier hörten meine Fähigkeiten auf und meine Frau musste das übernehmen. Was nicht besonders schlimm war, da sie sehr gerne malt.

Für das zweite Shooting wollte ich eine Möglichkeit finden, ohne malen auszukommen. So dass es „jeder“ machen kann. Ohne Maltalent. Daher probierte ich drei Techniken aus:

1. Malen

Auch wenn ich sehr Talentfrei in dem Bereich bin, wollte ich es zumindest nicht unversucht lassen. Die Probleme vom ersten Shooting hatten sich nicht verbessert. Der Farbauftrag war noch immer streifig und die Blume sieht auch nicht sehr künstlerisch und detailliert aus. Das war also nicht die Technik unserer Wahl. Zum Glück. Sie hätte wohl auch am längsten gedauert.

Schwarzlicht
Gemalte Blume ohne Schwarzlicht.
Schwarzlicht
Gemalte Blume unter Schwarzlicht.

2. Stempeln

Die zweite Idee war es, die Motive auf die Haut zu stempeln. Genutzt haben wir dafür sogenannte Clearstamps. Meine Frau nutzt sie, um Motive einfach auf Papier zu stempeln. Also dachten wir uns, warum sollte das nicht auch auf der Haut gehen.

Um die Farbe auf den Stempel zu bringen, gab es zwei Möglichkeiten. Entweder man trägt sie mit einem Pinsel auf oder drückt ihn in die Farbe. Beides haben wir probiert.

Schwarzlicht
Mit dem Pinsel und Stempel aufgetragen.
Schwarzlicht
Mit dem Pinsel und Stempel aufgetragen unter Schwarzlicht.
Schwarzlicht
Stempel in Farbe getaucht.
Schwarzlicht
Stempel in Farbe getaucht im Schwarzlicht.

Hier hat der Pinsel die Nase vorn, da man den Farbauftrag deutlich gleichmäßiger machen kann und die Möglichkeit hat überschüssige Farbe zu verteilen. So zeichnen sich auch kleinere Details besser ab. Beim Eintunken in die Farbe, ist die Farbverteilung nicht wirklich kontrollierbar. Schmale Linien quellen beim Aufstempeln auf, sodass Details verloren gehen.

3. Schablonen

Die vielversprechenste Technik war die Schablone. Wir wählten welche mit Mandalamotiven aus, da sie einfach und zahlreich zu bekommen sind. Normalerweise sind diese Schablonen auch für das malen auf Papier gedacht. Doch da sie aus flexiblen Kunststoff bestehen, passen sie sich auf einen gewissen Grad der Körperrundungen an.

Nun stellte sich auch hier die Frage, wie wir die Farbe auf die Haut bringen. Der Pinsel hätte auch hier seine negativen Eigenschaften. Hinzu kommt, dass sich die feinen Pinselhaare unter die Schablone schieben und somit keine klaren und geraden Linien und Kanten möglich sind.

Die zweite Variante ist das Auftragen mit einem Schwamm. Dabei wird die Farbe eher aufgetupft als gemalt. Das Ergebnis ist deutlich besser. Gerade Kanten sind damit möglich und auch kleine Details sind zu erkennen. Außerdem kommt noch positiv hinzu, dass diese Technik auch noch sehr schnell geht. Sogar am schnellsten ist.

Schwarzlicht
Linke Hälfte mit dem Schwamm und die rechte Hälfte mit dem Pinsel aufgetragen.
Schwarzlicht
Linke Hälfte mit dem Schwamm und die rechte Hälfte mit dem Pinsel aufgetragen im Schwarzlicht.

Ein schnelles und sauberes auftragen der Farbe, keine künstlerischen Fähigkeiten notwendig und die Möglichkeit detailreiche Motive zu wählen. Mit diesen positiven Eigenschaften ist die Wahl, für das zweite Shooting, auf die Schablonen mit den Mandalas gefallen.

Faktor Zeit

Eine Sache unterschätze ich immer wieder. Der zeitliche Aufwand. Das testen der verschiedenen Techniken und das Malen aller Mandalas hat ganze drei Stunden gedauert. Nicht sehr angenehm für das Model und auch für den Fotografen sehr anstrengend. In jedem Fall muss genug Zeit eingeplant werden.

Zu den drei Stunden kommt auch noch die Zeit für das Shooting selbst. Hier sollte auch berücksichtigen werden, dass immer wieder korrigiert und nachgemalt werden muss. Es kommt beim posen immer wieder dazu, dass die Motive durch Berührung verschwimmen. Und selbst wenn man während des Shootings nichts verschmieren sollte, so sieht man mit Sicherheit beim ersten nutzen des Schwarzlicht, was nach dem ersten auftragen schon schief gelaufen ist.

Für das ständige Ausbessern eignet sich gut ein Lappen (in meinem Fall ein Waschlappen) für größere Bereiche. Oder wenn es kleinere Probleme gibt, ein feuchter Q-Tip. Dabei ist aber zu achten, dass man pro Farbe nur einen Q-Tip verwendet, da sich die Farben sonst vermischen.

Fazit

Ein Schwarzlicht Shooting ist zeitintensiv, anstrengend und bedarf viel Vorbereitung. Doch man wird mit einmaligen Ergebnissen belohnt, die man nicht so häufig woanders wieder findet. Es ist den Aufwand wert und es wird sicher auch noch Mindestens ein drittes Shooting geben. Denn ich habe jetzt schon wieder Ideen, wie man ein paar Dinge besser machen kann.


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